16.12.17

Dann mach doch was anderes!

Was mich ankotzt und was mich wütend macht, sind Kommentare in dieser Art:

"Du musst diese Arbeit ja nicht machen, wenn es dir zu wenig Geld ist."
"Du musst doch nicht in diesem Loch wohnen, such dir eine andere Wohnung."
"Du bist doch selbst dran schuld, wenn du nur ALG II bekommst, geh halt arbeiten."
 "Wenn du nicht genug Geld hast für gute Lebensmittel, dann iss halt weniger."
"Wenn es dir auf der Straße schlecht geht, dann wohne halt in ner Wohnung."
"Wenn es dir so schlecht geht, dann höre doch einfach auf zu trinken!"

Etc., etc., etc..

Es ist immer eine anmaßende, von oben nach unten Argumentation, die der realen, individuellen Lebenswelt des Angesprochenen in keiner Weise gerecht wird. Ja, man könnte sogar sagen, das Gegenüber wird überhaupt nicht wahrgenommen. Es ist so arrogant (die bösartige Form von Arroganz) und widerlich, und zeigt lediglich, dass die reale gesellschaftliche und soziale Situation in diesen Zeiten in Gänze völlig ausgeblendet wird.

Warum argumentieren Leute so? Ich vermute, es hat mit Abgrenzung zu tun, mit der eigenen Angst vor dem Abstieg, mit Ignoranz und Blasiertheit, mit Dummheit und mit diesem klitzekleinen Moment, in dem man sich selbst erhöhen kann, indem man dem anderen Schuld zuschiebt.

*Anmerkung
Damit hier keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin eine vehemente Anhängerin der Haltung "Setz deinen Arsch in Bewegung und übernimm Verantwortung für dein Leben!". Aber!, und dieses Aber ist ein fettes, es gibt Systeme, Strukturen, Lebensumstände, gesellschaftliche Zwänge, die es schwierig machen, das eigene Leben locker auf die Reihe zu bekommen. In solchen Fällen habe ich Verständnis, solidarisiere ich mich, begleite und suche Ansätze, wo man, wie man an den nicht beeinflussbaren Schrauben doch noch etwas ganz individuell drehen könnte. Ich käme nicht auf die Idee da Schuld im Gießkannenprinzip zu verteilen.

12.12.17

Mord und Totschlag, Gewalttaten jedweder Form im Namen einer Religion, einer Ideologie, für Vaterland und Volk oder Ehre und sonstigem Schwachsinn sind – oh, welch eine Überraschung! - Mord, Totschlag, Gewalttaten im strafrechtlichen Sinne. Sonst nix. Darauf könnten wir uns doch einigen, oder?

6.12.17

Manchmal bin ich total unpädagogisch und knallhart:

Die kleinen Kinder streiten sich um eine blöde Ritterburg. Alle Vorschläge, wie man denn gemeinsam mit diesem Ding spielen könnte, werden abgelehnt. Sie kloppen sich, hetzen, tricksen, schlagen sich drum. Sie weinen, schreien und können sich mit nichts anderem beschäftigen. „Das ist meine Burg!“„Nein, meine!“ Das geht Stunden und Stunden und alle sind totunglücklich. Sie sind so aufgedreht, werden immer gewalttätiger und finden aus dem ganzen Schlamassel nicht mehr von alleine raus. Irgendwie geht es gar nicht mehr um die Burg selbst, sondern nur noch um die Streiterei. Wie gesagt, jeder Vorschlag von außen wird abgelehnt. Ich habe irgendwann diese Faxen satt, nehme den Hammer und zerschlage diese blöde Burg. Wenn ich wohlwollend bin, bekommt jedes Kind ein gleich großes Plastikstückchen mit dem Hinweis: „Da kannst du dir ja jetzt in deinem! Kinderzimmer eine neue Burg draus bauen!“ Ansonsten wandert der Mist in die Mülltonne.


*flüster …und dann träume ich davon, ich könnte dies mit Jerusalem auch machen

4.12.17

 „Denken Sie, ich bin verrückt, Frau Müller?“

 „Halten Sie sich denn für verrückt?“

 „Ich ticke anders als andere Menschen.“

„Würde mein Urteil über Sie etwas daran ändern?“

„Eigentlich nicht. Ich bin ja so, wie ich bin.“

„Und wie geht es Ihnen so mit sich?“

„Mir geht es eigentlich ganz gut mit mir. Die anderen Leute sind halt oft davon genervt.“

„Ändert das Urteil der anderen etwas an dem, wer und was und wie Sie sind?“

„Nein, eigentlich nicht. Es geht mir ja gut mit mir.“

„Wer bräuchte denn dann, wenn gewollt, Hilfe und Unterstützung?“

„Jetzt, wo Sie es so sagen, doch eher die anderen und nicht ich.“

29.11.17

„Seitdem es so viele Flüchtlinge und andere Ausländer bei uns gibt, steigt die Gewalt gegen Frauen auf der Straße und überhaupt! Keine Frau traut sich abends noch raus.“

„Ähm, ich bin jetzt 61 Jahre alt und als Mädchen und Frau habe ich viel erlebt hier in meinem Land. Männer haben mich beleidigt, diskriminiert, vergewaltigt, ausgeraubt, nieder gestoßen, bevormundet, belogen, bedroht. Ich habe dabei keine gravierenden Unterschiede aufgrund von Herkunft, Status, Ethnie, Reichtum oder Armut oder sonst irgendwas erkennen können. Das einzige Merkmal, was sie alle einte: Sie waren männlichen Geschlechts und Arschlöcher. Ne, komm mir also nicht damit, dass seit 2015 irgendwas grundlegend neu oder anders wäre. Ist es nicht, so gar nicht.“

28.11.17

Im politischen Diskursen geht es oft hart zu. Ja, auch ich halte mich da mit klaren und eindeutigen Aussagen nicht zurück.

Doch, es geht mir um die Sache. Manchmal bin ich jedoch so zornig, dass auch ich die Contenance verliere.  

Das ärgert mich dann im Nachhinein.

Denn es gilt, zumindest für mich: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Menschenrechte gelten für alle Menschen. Ohne Wenn und Aber.

Ein nicht endendes Ringen darum. Wieder und wieder. Fehltritte inklusive. Anstrengend. So anstrengend.  Aber, richtig.

Nachsicht, wenn es nicht immer klappt.

Danke!  

25.11.17

Immer wenn es um das Thema „Gewalt gegen Frauen“ geht, kommt mit schöner Regelmäßigkeit irgendwann das Argument, dass auch Frauen Gewalt gegen Männer ausüben.

Keine Frage, das stimmt. Und richtig ist auch, dass es männlichen Opfern richtig beschissen geht, es wenig Anlaufstellen und Hilfe für sie gibt und ihre Traumatisierung der weiblichen in nichts nachsteht.

Allerdings geht mir dann auch jedes Mal durch den Kopf, dass ich persönlich in den letzten 2500 Jahren keine größere Gesellschaft kenne, in denen die Rechte der Männer zugunsten von Frauen beschnitten wurden. Ebenso wenig kenne ich Gesellschaften, in denen ausschließlich Frauen die Gesetze machen, die nur Männer betreffen oder in denen die körperliche Unversehrtheit des Mannes dem Willen von Frauen und Familie unterliegt und das Verfügungsrecht über Körper und Eigentum des Mannes den Frauen rechtlich garantiert würde. So lebten und leben aber immer noch Millionen von Frauen. Das prägt. Sowohl die Frauen als auch die Männer in diesen Gesellschaften.

Die gleichen Rechte für Männern und Frauen wurden in vielen Ländern mittlerweile hart erkämpft. Sie stehen nun auf dem Papier, die gleichen Rechte, und werden mühsam in den Alltag übertragen. In vielen, vielen Köpfen jedoch sind sie noch gar nicht angekommen. Da dümpelt man noch in den „guten“ alten Zeiten herum. Deshalb ist die Mehrheit der Opfer, auch bei uns, eben immer noch weiblich. Und darum ist es weltweit und auch bei uns immer noch vor allem ein Männerproblem.